Webwissenschaft


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Webwissenschaft – Das Forschungsparadigma

Publikationen
In unregelmäßigen Abständen publizieren die Autoren Erkenntnisse aus Lehrforschungsprojekten und Forschungstätigkeiten.

  • Konrad Scherfer: Das neue Fernsehen und der Grimme-Preis. Beitrag in der Reihe „Im Blickpunkt“ des Grimme Instituts. Zum Artikel auf der Blickpunkt-Website
  • Nina Bäßler, Lara Cremer, Pia Müller, Miriam Schmitz: Wie es der Horrorclown in die Tagesschau geschafft hat – Eine webwissenschaftliche Analyse Download Volltext (PDF)
  • Stephan Jülich: Generische Webwissenschaften in der Praxis: Prüfung und Reflexion von Forschungsmethoden und -instrumenten. Master Thesis. Volltext unter Publis Cologne
  • Miriam Schmitz: Wer twittert was? Die Typologie deutscher Twitter-Nutzer – eine empirische Erhebung. Download Volltext (PDF)
  • Warum?
    Das World Wide Web (kurz Web) hat die Welt ebenso grundlegend verändert, wie dies im 15. Jahrhundert die Erfindung des Buchdrucks tat. Es ist in allen Lebensbereichen präsent und durchdringt das Wirtschafts- und Arbeitsleben, die zwischenmenschliche Kommunikation sowie die Freizeitgestaltung. Das Web beeinflusst mediale, politische, gesellschaftliche und kulturelle Prozesse. Ohne Zweifel muss sich daher die Forschung dem Web zuwenden. Aber – benötigt man dafür eine eigenständige Webwissenschaft? Auf diese und weitere Fragen zur Webwissenschaft, ihrer scientific community und ihren Methoden finden sich auf dieser Website Antworten. „webwissenschaft.de“ wird von Wissenschaftlern der FH Köln, dem Ursprungsort der deutschen Webwissenschaft, betrieben.

    Gegenstandsbereich
    Will man dem Gegenstandsbereich gerecht werden, muss das Web immer auf zwei Ebenen erfasst werden: Auf der Mikro-Ebene als eine Infrastruktur mit künstlichen Sprachen und Protokollen und somit als technische Konstruktion1; auf der Makro-Ebene als Interaktion zwischen Menschen, die Informationen kreieren, verlinken und konsumieren. Das Web muss also vor dem Hintergrund seiner Doppelexistenz (technische Konstruktion und humaner bzw. sozialer Aktionsraum) verstanden und erforscht werden2. Im international bisher folgenreichsten Konzept für die Herausbildung einer wissenschaftlichen Disziplin für das Web, „A Framwork for Web Science“3, wird daher folgende Leitidee geprägt: Die Web Science „soll eine Analyse, Regulierung und Entwicklung des Webs leisten und hierbei neben den technologischen Aspekten die rechtlichen und sozialen Bedingungen reflektieren“4.

    Entstehung der deutschsprachigen Webwissenschaft
    Die Begründungen dafür, warum sich die Wissenschaft mit dem Web beschäftigen muss, wurden im Jahr 2006 durch zwei Schlüsseltexte geliefert: „Creating a Science of the Web“ und „A Framwork for the Web Science“.5 Diese Arbeiten von Tim Berners-Lee und anderen, dem Computer Science and Artifical Intelligence Laboratory am Massachusetts Institute of Technology (MIT) nahestehenden Wissenschaftlern, legen den Grundstein für die Disziplin. Das MIT kann international als Genuis loci der Wissenschaft für das Web angesehen werden und kein Geringerer als der Erfinder des Webs, Tim Berners-Lee, als ihr Nestor. Im deutschsprachigen Raum erfolgte 2008 durch Helmut Volpers eine erste Auseinandersetzung mit der Frage: „Warum und zu welchem Zweck benötigen wir eine Webwissenschaft?“6. In diesem Aufsatz werden bereits die Grundzüge eines Forschungsprogramms für die deutsche Hochschullandschaft skizziert, das sich in seiner Ausrichtung von der durch die Informatik geprägten Web Science unterscheidet. [PDF]

    Strömungen
    In der jungen Disziplin der Webwissenschaft lassen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt mehrere Strömungen erkennen:

    1. Im Fokus des o.g. „Frameworks“ stehen, aufgrund der naturwissenschaftlichen Herkunft der Autoren und der Perspektive des MIT, technologische und mathematische Aspekte der Webentwicklung. Zugleich werden (nachrangig) auch sozialwissenschaftliche Perspektiven der Webnutzung in den Blick gefasst.
    2. In der Geistes- und Sozialwissenschaft verankert ist der niederländische Wissenschaftler Richard Rogers (Universität Amsterdam). Seine Sicht auf das webwissenschaftliche Paradigma sind die von ihm als „Digital Methods“7 bezeichneten Methoden. Rogers lenkt den Blick auf eine zweite Perspektive der Webwissenschaft, die in der Web Science der ‚Berners-Lee-Schule‘ wenig Beachtung findet: „Erforscht werden nicht mehr ausschließlich das Internet und seine Nutzer; vielmehr können Kultur und Gesellschaft mit dem Internet erforscht werden.“8 Für Rogers ist das Web eine Quelle, die es ermöglicht, Daten über Gesellschaft und Kultur zu gewinnen, die notabene ohne das Web nicht existent wären.
    3. Die Kölner Schule der Webwissenschaft nimmt diese beiden oben genannten Strömungen auf. Die deutsche Webwissenschaft versteht sich als transdisziplinärer Ansatz, der sowohl technikwissenschaftliche als auch geistes- und sozialwissenschaftliche Fragestellungen und Methoden integriert. Stärker als in der angelsächsisch geprägten Web Science steht allerdings hierbei das Web als humaner Kommunikations- und Interaktionsraum im Fokus. Berücksichtigt werden auch die kommunikations- und medienwissenschaftlichen Aspekte des Webs sowie seine Auswirkungen auf die Gesellschaft. Die Publikationen der Kölner Schule erfolgen überwiegend in deutscher Sprache. Dies ist weder Zufall noch Unfähigkeit, sondern folgt dem Prinzip, dass in einer Sprache Gedachtes zunächst auch in dieser Wissenschaftssprache ausgedrückt werden sollte. Zugleich steht dahinter der oben skizzierte eigenständige wissenschaftstheoretische Ansatz der Webwissenschaft, der nicht mit der Web Science deckungsgleich ist.

    Methoden
    Die Methoden der Webwissenschaft befinden sich, wie die gesamte Disziplin, noch im Prozess der Ausdifferenzierung. Die Website bietet einen Überblick über solche methodischen Ansätze, die bereits gefestigt sind und sich in der Forschungspraxis bewährt haben. Hierzu gehören: Web Metrics, Generische Webmethoden, Web Usability und Findability im Web.

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    1 Hierbei wird das Internet als ‚Umgebungstechnologie‘ (quasi die Hardware) des Webs nicht in den Blick gefasst
    2 Vgl. Volpers, Helmut (2008): Warum und zu welchem Zweck benötigen wir eine Webwissenschaft? In: Webwissenschaft – Eine Einführung. Hg. v. Konrad Scherfer. Berlin: , S. 31-51, hier S. 47. Ausdifferenzierung in Anlehnung an Hendler, James et al. 2007: Web Science: An Interdisciplinary Approach to Understanding the Web. In: Communications Of The ACM,Vol. 51, No. 7, S. 60-69.
    3 Tim Berners-Lee et.al. (2006b): A Framework for Web Science. In: Foundation and Trends in Web Science Vol. 1, No. 1, S. 1-130.
    4 Volpers 2008, S. 38.
    5 Vgl. Berners-Lee, Tim et al.(2006a): Creating a Science of the Web. In: Science Vol. 313, No. 5788, S. 769-771 und Berners-Lee (2006b).
    6 Vgl. Volpers, Helmut (2008).
    7 Vgl. Rogers, Richard (2013): Digital Methods. Cambridge. Hier wird sein bereits 2011 kurz vorgestelltes Forschungsprogramm ausführlich entfaltet, vgl. Rogers, Richard 2011: Das Ende des Virtuellen. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft Nr. 2, S. 61-77 www.govcom.org/publications/full_list/Rogers_ZfM5_2011.pdf
    8 Rogers 2011, S.77.

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